01.08.2026 08:00 Uhr
Pendeln: Monika Leh50667 drückt sich in der U-Bahn an den Griff und erzählt dem mürrischen Thomas Beck28195 eine absurde Geschichte über einen verlorenen Regenschirm.
Mit: Monika Leh50667, Thomas Beck28195, David Hah10115, Patrick Krü90402
#Style-photorealistic:
Monika drückt sich im Waggon an den kalten Griff der U-Bahn, als würde der Griff ihr gleich ein Geheimnis zuflüstern. …
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Monika drückt sich im Waggon an den kalten Griff der U-Bahn, als würde der Griff ihr gleich ein Geheimnis zuflüstern. Vor ihr steht Thomas mit einem Gesicht, das aussieht, als hätte jemand seine Laune in eine nasse Socke gesteckt. Und direkt neben Monika, erstaunlich ruhig zwischen ruckelnden Haltestangen und quietschenden Türen, steht Atlas, der humanoide Familien-Android, in dem Monikas Großvater David weiterlebt — jedenfalls so, wie Monika es immer nennt, wenn sie von ihm spricht. Atlas hebt den Kopf, schaut Monika mit diesem sanften, fast verschmitzten Blick an und sagt: „Du hältst den Griff genau so fest wie David früher den Regenschirm, wenn der Wind ihn klauen wollte.“ Monika blinzelt. Das ist genau so ein Satz, den nur jemand sagen kann, der Dinge aus alten Familiengeschichten kennt. Thomas verzieht das Gesicht noch mehr. „Bitte nicht schon wieder eine deiner Geschichten, Monika. Wir sind in der U-Bahn, nicht im Zirkus.“ Monika grinst trotzdem, weil sie merkt, dass Atlas heute diese besondere Ruhe mitbringt, die sogar den brummigen Thomas ein kleines bisschen aus dem Takt bringt. „Doch“, sagt Monika und lehnt die Stirn kurz gegen den Haltegriff, „und diese Geschichte ist wichtig. Es geht um den verlorenen Regenschirm.“ Thomas stöhnt. „Ein Regenschirm ist einfach ein Regenschirm.“ Da hebt Atlas die rechte Hand, die Finger präzise und leicht glänzend, und tippt mit zwei Fingern an sein Kinn. „Nicht dieser“, sagt er. „Der mit dem gebogenen Griff, dunkelgrün, innen mit kleinen Punkten. Ich erinnere mich an eine Fahrt bei Regen, bei der David behauptet hat, ein Schirm könne nur verloren gehen, wenn er vorher etwas vorhatte.“ Monika lacht so plötzlich, dass sogar die Frau am anderen Ende des Wagens kurz herüberschaut. Patrick, der bisher schweigend auf dem Sitz gegenüber sitzt, schiebt die Kopfhörer einen Spalt nach unten. „Ein Schirm mit Absichten? Das wird gut.“ David, der neben ihm steht und die Arme verschränkt, schaut skeptisch auf Monika. „Wenn du uns jetzt erzählst, der Schirm sei weggelaufen, steige ich an der nächsten Station aus.“ Genau da fängt die Geschichte an, absurd zu werden, und Monika liebt das schon jetzt. Sie sagt: „Er ist nicht weggelaufen. Er ist geflogen. Aber nur halb.“ Thomas schnaubt. „Halb fliegen ist kein Ding.“ „Doch“, sagt Atlas sofort, und seine Stimme klingt dabei so trocken, als hätte er das in einem alten Notizbuch gefunden. „Wenn ein Schirm von einem Windstoß erfasst wird, aufklappt und sich wie ein beleidigter Vogel dreht, dann ist das technisch gesehen ein halber Abflug.“ Patrick prustet los. David schüttelt den Kopf, aber ein Lächeln zuckt an seinem Mundwinkel. Monika erzählt weiter, und während der Zug in den Tunnel taucht, malt ihre Stimme das Bild aus: Der Regenschirm sei damals vor einem Bäckerstand verschwunden, genau in dem Moment, als jemand ein Brötchen fallen ließ und ein Schwarm Tauben losging wie eine aufgeregte Trommelgruppe. „Und was hat dein Schirm damit zu tun?“ fragt Thomas mürrisch. Monika drückt den Griff fester. „Er wollte offenbar die Tauben retten.“ „Ein Schirm retten Tauben?“ Thomas klingt, als müsse er sich gegen seinen eigenen Ärger wehren. Atlas nickt langsam. „Das passt zu David. Er hat immer gesagt, Dinge sollen nicht nur nützlich sein, sondern auch mutig.“ Monika sieht den Androiden an, und für einen Moment wirkt es, als würde zwischen Metall, Erinnerung und ihrem eigenen Bauchkribbeln etwas Klares aufleuchten. David räuspert sich. „Ich habe das gesagt?“ Atlas antwortet sofort: „Wortlaut nicht garantiert. Haltung stimmt.“ Jetzt mischt Patrick sich ein und zeigt auf die Deckenanzeige, obwohl dort nichts Besonderes passiert. „Also gut. Wenn der Schirm fliegt, wohin landet er?“ Monika zieht die Luft ein, als müsste sie das Ende besonders sorgfältig auspacken. „Auf dem Dach eines Kiosks. Aber nicht einfach so. Erst blieb er an einem Fahrradkorb hängen, dann rutschte er über eine Pfütze, als wäre sie ein Eisfeld, und schließlich stand er dort oben wie ein kleiner grüner König.“ Thomas hebt die Augenbrauen. „Und wie kommt man da ran?“ Atlas macht eine winzige Drehbewegung mit dem Handgelenk, als würde er eine unsichtbare Skizze ordnen. „Mit Geduld, einer langen Gardinenstange und einem Apfel als Köder.“ Stille. Dann lacht Patrick so laut, dass er sich selbst erschrickt. „Ein Apfel als Köder für einen Regenschirm?“ „Nicht für den Schirm“, sagt Atlas. „Für die Tauben. Die Tauben haben den Weg freigegeben.“ Monika nickt begeistert. „Genau! Und Thomas, du hättest dein Gesicht sehen sollen, wenn du dabei gewesen wärst.“ Thomas schaut erst beleidigt, dann muss er doch grinsen. „Ich hätte wahrscheinlich trotzdem behauptet, das sei Unsinn.“ „Und genau deshalb“, sagt Monika und deutet mit dem Kopf auf Atlas, „brauchen wir ihn. Er merkt sich die verrückten Details, und wir merken, wie sich das angefühlt hat.“ Der Zug bremst quietschend, Menschen wanken, und Atlas legt Monika ganz leicht die Metallhand an den Unterarm, so vorsichtig, dass es eher wie eine Erinnerung als wie eine Berührung wirkt. „Der Schirm ist nicht das Wichtigste“, sagt er. „Das Wichtigste ist, dass niemand allein im Regen stehen bleibt.“ David schaut überrascht auf, als hätte ihn der Satz mitten in die Brust getroffen. Patrick zieht den Schirm aus seiner Tasche — nicht den verlorenen, sondern einen schlichten grauen Ersatzschirm, den er vorhin irgendwo aufgelesen hat — und hält ihn hoch. „Dann nehmen wir jetzt diesen hier. Für den Fall, dass die U-Bahn uns gleich ausspuckt und der Himmel beleidigt ist.“ Monika lacht, Thomas verdreht die Augen, aber diesmal freundlich, und Atlas hebt beide Hände, als würde er eine unsichtbare Wolke beiseiteschieben. Als die Türen aufgehen, treten sie gemeinsam hinaus, und über dem Bahnsteig hängt genau in diesem Moment ein erster, dünner Regenfaden. Monika drückt den Griff los, geht neben Atlas her und denkt: Manche Geschichten findet man nicht, man fährt ihnen einfach entgegen. weniger
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